Mannschaftssport: ein Beispiel aus dem Fußball

Foto: GEPA Pictures/ÖFB

In mehreren aufeinander folgenden Spielen hat der Mittelfeldspieler eindeutig weniger oft zum rechten Flügelstürmer gespielt als zum linken, obwohl der rechte Flügelstürmer öfter anspielbar war. Die Ursachen hierfür können mannigfaltig sein. Auf technischer Ebene kann es sein, dass der Spieler nicht in der Lage ist, einen technisch richtigen Pass nach rechts zu geben. Auf der taktischen Seite kann er vielleicht die Verteidigung nicht richtig lesen. Auch im Bereich seiner psychischen Fähigkeiten gibt es mehrere Möglichkeiten. Hier nur einige:

  • Die periphere Wahrnehmung des Spielers ist auf der rechten Seite eingeschränkt.
  • Das Antizipationsvermögen des Spielers ist beeinträchtigt. Der rechte Flügelspieler läuft schneller, als der Mittelfeldspieler es einschätzen kann.
  • Die Merkspanne des Spielers ist eingeschränkt. Er merkt sich nicht, dass rechts auch ein Flügelspieler steht.
  • Es liegen persönliche Differenzen vor. Der Mittelfeldspieler will den rechten Flügelspieler absichtlich schlecht dastehen lassen.

Einzelsport: ein Beispiel aus dem Tennis

Eine junge Tennisspielerin erreicht auf Sandplätzen beachtliche Ergebnisse. Auf Hartplätzen ist sie aber nicht in der Lage, das gleiche Leistungsniveau zu erreichen. Auch hier gibt es natürlich Erklärungen, die körperliche bzw. technisch-taktische Mängel als Ursache sehen. Relevant sind hier jedoch mögliche kognitive Gründe. Zum besseren Verständnis sei angeführt, dass der größte Unterschied zwischen Sand- und Hartplatz das Tempo ist, mit dem gespielt wird. Durch die Beschaffenheit des Hartplatzes ist die Ballgeschwindigkeit viel höher.

  • Das allgemeine Reaktionsvermögen der Spielerin ist für den Hartplatz zu langsam. Das heißt, die Bälle kommen schneller, als sie zu reagieren im Stande ist.
  • Das Antizipationsvermögen der Spielerin ist beeinträchtigt. Sie ist nicht in der Lage, die schnellen geraden Bälle einzuschätzen (im Vergleich zu den eher hohen, langsamen am Sandplatz).
  • Die visuelle Wahrnehmungsleistung ist beeinträchtig. Die raschen, dynamischen Ballwechsel überfordern die Wahrnehmungsleistung.
  • Das Persönlichkeitsprofil entspricht eher dem einer Sandplatzspielerin: geduldig, defensiv, Fehler vermeidend, eher passiv und abwartend. Für den Hartplatz wäre ein eher aggressives, aktives, risikoreiches Profil passend.

In beiden Fällen klären Sie mit einer gezielten Testbatterie (Zusammenstellung mehrerer Testverfahren) rasch ab, welche Einschränkung vorliegt. So kann eine maßgeschneiderte Intervention punktgenau ansetzen.  

Denn eines ist gerade im Hochleistungssport entscheidend, der Zeitfaktor. Sportlerinnen mit akuten Problemen haben keine Zeit, sich auf Versuch und Irrtum in der Intervention einzulassen. Eine klare, eindeutige Diagnose, das Herausfiltern des Kernproblems sind die Anforderungen, die an Sie als Sportpsychologen gestellt werden.

Beispiel einer Testzusammenstellung

Einzelne Tests messen meist nur ein spezifisches Merkmal der Persönlichkeit oder der Leistung. Die sportliche Leistung hängt aber von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Aus diesem Grund sollten mehrere Tests (Testbatterien) vorgegeben werden, die möglichst die gesamte Anforderung abdecken.
 
Wie stellen Sie eine geeignete Testbatterie zusammen? Zu Beginn erstellen Sie ein (sport-)psychologisches Anforderungsprofil der jeweiligen Sportart. Darauf aufbauend stellen Sie die Testbatterie zusammen.  

Beispiel Tennis
Es handelt sich um einen Einzelsport aus der Kategorie Ballsport und Spielsport. Für den Spieler bedeutet er eine enorme körperliche Belastung – setzt also auch konditionelles Vermögen voraus. Zudem handelt es sich um eine schnelle Sportart mit kurzen Spielaktionen (im Durchschnitt max. 30 Sekunden) und strukturierten Pausen. Die Dauer eines Spieles kann mehrere Stunden betragen.

Sportpsychologische Anforderungen

Test

Solide Basisaufmerksamkeit

DAUF

Antizipationsvermögen

ZBA

Visuelle Wahrnehmung

LVT

Einfaches Reaktionsvermögen

RT

Wahlreaktionsvermögen

DT

Feinmotorik

SMK

Gedächtnis

VISGED

Anforderungen an die Persönlichkeit 

Test

Leistungsmotivation

AHA

Frustrationstoleranz

AHA

Selbstvertrauen

EPP6

Ehrgeiz

EPP6

Risikobereitschaft

RISIKO