Neuropsychologische Studien belegen, dass mit der unmittelbaren Blockspanne Defizite abbildbar sind, welche von den üblichen Tests zur Überprüfung der verbalen Merkspanne nicht erfasst werden.
Anwendung
Erfassung der Speicherkapazität des räumlichen Kurzzeitgedächtnisses und des Lernens im räumlichen Arbeitsgedächtnis.
Theoretischer Hintergrund
Grundlegende Funktionen des Arbeitsgedächtnisses sind das kurzfristige Speichern und das Verarbeiten von Informationen. Der Block-Tapping-Test zur Messung der unmittelbaren Blockspanne (UBS) überprüft die Speicherfähigkeit des räumlichen Arbeitsgedächtnisses. Neben dem kurzfristigen räumlichen Speichern werden auch das Speichern unterstützende Prozesse wie Rehearsal, räumliches Binding und exekutive Funktionen wie das zeitliche Enkodieren und Rekonstruieren einer seriellen (zeitlichen) Anordnung von Stimuli operationalisiert. In die unmittelbare Blockspanne gehen also Speicher- und exekutive Prozesse des räumlichen Arbeitsgedächtnisses ein. Die Messung kann sowohl durch die Blockspanne vorwärts als auch rückwärts erfolgen. Unterschiede in den Leistungen zwischen den beiden Testformen sind insbesondere im entwicklungspsychologischen Kontext zu berücksichtigen.
Die Supra-Blockspanne (SBS) erfasst Lernprozesse des räumlichen Arbeitsgedächtnisses: Es werden Sequenzlängen verwendet, die über der visuellen Merkspanne des jeweiligen Probanden liegen, also Lernprozesse erfordern. Dieses Lernen ist als eine Automatisierung von kognitiven Abläufen und damit als eine Form von implizitem Lernen zu verstehen.
Die Tests können auch zur Beschwerdenvalidierung eingesetzt werden: Mit den Testergebnissen der UBS lässt sich eine Reliable Spatial Span (RSS) bestimmen und Fehlerhäufungen in der SBS können einen Hinweis darauf geben, ob der Proband eine authentische Leistung erbringt.
Durchführung
Unmittelbare Blockspannen: Auf dem Monitor sind neun unregelmäßig verteilte Würfel abgebildet. Ein Zeiger in Form einer Hand „tippt“ nacheinander auf eine bestimmte Zahl von Würfeln. Der Proband soll die Würfel entweder in der vorgegebenen oder in umgekehrter Reihenfolge nachtippen. Nach jeweils drei beantworteten Items nimmt die Anzahl der Würfel um einen zu. Der Test wird beendet, wenn der Proband drei aufeinander folgende Items fehlerhaft beantwortet.
Zur Bestimmung der Supra-Blockspanne wird zunächst die unmittelbare Blockspanne des Probanden bestimmt. Danach werden Items präsentiert, die die Anzahl der Würfel der unmittelbaren Blockspanne +1 enthalten (SBS = UBS+1). Der Test enthält 24 Items. Innerhalb dieser wird eine Sequenz achtmal wiederholt (Targetsequenz). Der Test ist beendet, wenn die Targetsequenz richtig nachgetippt wird.
Testformen
Für die vorliegenden drei Testverfahren – unmittelbare Blockspanne vorwärts und rückwärts sowie die Suprablockspanne – stehen jeweils eine Erwachsenen- und eine Kinderform zur Verfügung, insgesamt enthält der CORSI sechs Testformen (S1–S6).
Tabelle 1: Testverfahren, Bezeichnungen im CORSI-Programm, Operationalisierungen
Testbezeichnung | Testformen Erwachsene | Testformen Kinder | Operationalisierung |
|---|
UBS vorwärts | S1 | S2 | räumliche Gedächtnisspanne vorwärts |
UBS rückwärts | S3 | S4 | räumliche Gedächtnisspanne rückwärts |
SBS (+ UBS vorwärts) | S5 | S6 | räumliche Supraspanne (+ räumliche Gedächtnisspanne vorwärts) |
Auswertung
Unmittelbare Blockspannen (vorwärts und rückwärts): unmittelbare Blockspanne (größte Sequenzlänge, die zumindest zweimal richtig reproduziert wurde), Anzahl richtig und falsch nachgetippter Sequenzen, Sequenzierungsfehler, Bearbeitungszeit.
Supra-Blockspannen-Test: Supra-Blockspanne (Anzahl der Versuche, bis der Proband die Targetsequenz richtig reproduzieren konnte), Anzahl richtig nachgetippter Ablenkitems.
Zuverlässigkeit
Die Reliabilitätswerte der unmittelbaren Blockspanne sind durchgängig hoch, die Innere Konsistenz auf der Basis der erhobenen Normstichprobe liegt bei r=0,76.
Gültigkeit
Der Block-Tapping-Test gilt als Gold-Standard (Baddeley, 2001; Piccardi et al., 2008) zur Überprüfung der räumlichen Merkspanne. Seit über drei Jahrzehnten hat dieser Test in der neuropsychologischen Literatur eine vielfältige Bestätigung seiner Validität sowie im klinischen Kontext eine weite Verbreitung gefunden.
Normen
Es liegt eine Normstichprobe von N=300 gesunden Probanden vor. Es werden alters- und bildungskorrigierte Normen ausgegeben. Bedeutsame Geschlechtsdifferenzen wurden nicht gefunden.