AGDIA Aggressionsdiagnostikum

E. Raab-Steiner © SCHUHFRIED GmbH

Dieses Verfahren ermöglicht eine differenzierte Analyse von Art und Ausmaß aggressiven Verhaltens.

Anwendung
Das Verfahren AGDIA dient der differentiellen Erfassung von Stilen der Aggressionsauslösung, -manifestation, -coping und -stabilisierung.

Theoretischer Hintergrund
Bei diesem Verfahren wird das Modell von Rost & Schermer (1987) zur differentiellen Leistungsängstlichkeitsdiagnostik auf das Konstrukt Aggressivität umgelegt. Dieser Zugang wurde bereits von Lefevre (1997) zur Erfassung des Phänomens Stress gewählt.

Durch die getrennte Diagnostik der vier Teilbereiche Auslösung, Manifestation, Coping und Stabilisierung wird der Komplexität des Phänomens Aggressivität wesentlich besser entsprochen als bei einer reduzierten eindimensionalen Erfassung, wie das bei den meisten am Markt befindlichen Fragebögen der Fall ist.
Speziell im Hinblick auf die Planung und Durchführung von Interventionsmaßnahmen, welche die Zielsetzung des Inventars sind, ist die Kenntnis dieser vier Teilbereiche äußerst relevant.

Durchführung
Die Items werden in Viererkombinationen im „Forced-Choice-Format“ vorgegeben, wie dies etwa beim B-I-T (Berufs-Interessen-Test) von Irle und Allehoff (1984) realisiert wurde. Dieses Format soll zur Reduktion von Verfälschungstendenzen beitragen.
Die Testperson wird aufgefordert, jene Aussage, welche am wenigsten auf sie zutrifft mit einem Minus und jene, welche für sie am ehesten zutrifft, mit einem Plus zu kennzeichnen.
Nach einer kurzen Instruktionsphase folgt ein Beispiel, welches das Verständnis überprüft.
Jede Aussage wird dem Probanden zwei Mal – allerdings mit wechselnden alternativen Antwortoptionen – vorgegeben.
Abschließend wird für die dominanten Aspekte von Manifestation und Coping mittels Analogskala das Ausmaß der Eigenschaft erhoben.
Der Fragebogen besteht aus insgesamt 48 qualitativen und einer variierenden Anzahl quantitativen Items, wobei das Überspringen einer Aufgabe nicht möglich ist. Die Anzahl der vorgegebenen quantitativen Items hängt vom Ergebnis der qualitativen Items ab.

Testformen
Es steht eine Testform mit freier Bearbeitungszeit zur Verfügung.

Auswertung
Es werden die Rohwerte für Skalen als Summe der ihnen zugehörigen Items berechnet. Das Ergebnisprotokoll umfasst eine Ergebnistabelle mit Roh- und Standardwerten für alle Skalen und die Bearbeitungszeit, sowie ein Testprofil und ein Testprotokoll der Probandeneingaben.
Hinsichtlich der Auslösebedingungen von Aggression werden individuelle Erklärungsmodelle zu lern- und triebtheoretischen Konzepten ausgegeben.

Die Aggressionsmanifestation wird in die verschiedenen Reaktionsebenen physiologisch, emotional, kognitiv und behavioral differenziert. Das Verfahren AGDIA erfasst zudem individuelle Copingstrategien (destruktive/konstruktive) und vorliegende Stabilisierungskomponenten (externale/internale).
Für die dominanten Faktoren von Aggressionsmanifestation bzw. Coping wird zusätzlich auch ein quantitatives Maß berechnet.

Zuverlässigkeit
Die Innere Konsistenz (Cronbachs Alpha) der quantitativen Skalen liegt zwischen r=0,7 und r=0,9. Die Innere Konsistenz der qualitativen Skalen liegt zwischen r=0,56 und r=0,74.

Gültigkeit
Es lassen sich sowohl bei Straffälligen als auch in einer Normalstichprobe signifikante Korrelationen mittlerer Effektstärke zu Skalen des Fragebogens zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren FAF (Hampel & Selg, 1998) finden.

Normen
Es steht eine repräsentative Normstichprobe (N=427) im Altersbereich zwischen 16 und 91 Jahre geteilt nach Geschlecht, Alter und Bildung zur Verfügung.

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